Nationalfeiertag

Videobotschaft des Bundeskanzlers Dr. Alfred Gusenbauer zum Nationalfeiertag am 26. Oktober 2007

Liebe Österreicherinnen und Österreicher.

Seit 1967 ist unser Nationalfeiertag, der 26. Oktober, auch ein arbeitsfreier Tag. Er erinnert an den 26. Oktober 1955, als das österreichische Parlament das Gesetz über die immerwährende Neutralität beschlossen hat und damit die Konsequenzen aus den schrecklichen Erfahrungen zweier Weltkriege gezogen hat.

Wir denken in diesen Tagen nicht nur an die Neutralität, die die Grundlage unseres Friedens und unserer Souveränität darstellt. Wir denken vor allem auch daran, was Österreicherinnen und Österreicher in der Zeit seit 1955 geleistet haben. Seit 1960 leisten z.B. österreichische Soldaten im Rahmen der Blauhelmeinsätze der Vereinten Nationen hervorragende Dienste für den Frieden. Schon bald werden österreichische Soldaten auch im Tschad eingesetzt sein, um dort erneut zum Schutze der Zivilbevölkerung im Einsatz zu sein.

Die österreichische Neutralität hat sich daher nie verstanden als ein Abseitsstehen, sondern - ganz im Gegenteil - als ein konkreter Beitrag zu Frieden, zur Entspannung und zum Zusammenleben. Und diese österreichische Neutralität war daher auch immer Ausdruck der großen Solidarität der österreichischen Bevölkerung und ist in vielen Beiträgen auf internationaler Ebene zum Ausdruck gekommen.

Heute wird der Frieden nicht nur gefährdet durch Gewalt, durch Krieg und durch Terrorismus. Frieden wird auch gefährdet durch die dramatischen Auswirkungen des Klimawandels in verschiedensten Teilen der Erde. Daher ist es unsere gemeinsame Verantwortung nicht nur für Frieden, Solidarität und Gerechtigkeit zu sorgen, sondern auch eine aktive Politik gegen diesen Klimawandel betreiben. Österreichs Stimme, als ein neutraler Staat, wird auch zu diesem Thema gehört und vor allem dann glaubwürdig sein, wenn Österreich seine eigenen Beiträge dazu leistet, diesen Klimawandel zu stoppen und damit eine weitere Erderwärmung zu verhindern.

Liebe Österreicherinnen und Österreicher.

Dieser Nationalfeiertag ist aber nicht nur Anlass darüber nachzudenken, woher wir kommen, sondern wir müssen uns auch selbstkritisch fragen, was wir erreicht haben und welche Herausforderungen auch heute noch vor uns liegen. Wir haben eine sehr gute wirtschaftliche Entwicklung, unsere Arbeitslosigkeit sinkt, aber es gibt viele Menschen bei uns, die sich an den Rand der Gesellschaft gedrängt sehen. Es gibt Menschen, die ihren Platz in unserer Gesellschaft noch nicht gefunden haben.
Daher ist es außerordentlich wichtig, dass wir uns auf zwei Aufgaben konzentrieren, um den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft zu stärken. Erstens: Wir müssen durch eine moderne, fortschrittliche, soziale, alle einschließende Bildungspolitik dafür sorgen, dass die Chancen für mehr Menschen in unserem Land größer werden. Bildung ist die entscheidende Vorraussetzung, um an unserem gesellschaftlichen Leben und am Aufstieg teilnehmen zu können. Das Zweite ist: Wir müssen sehen, dass Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen, von Armut gefährdet sind. Und daher ist sowohl Armutsbekämpfung als auch unsere neue Bildungspolitik ein konkreter Beitrag dazu, um den Zusammenhalt unserer Gesellschaft zu stärken.

Denn wir sollten uns an das erinnern, was am Beginn gestanden ist: 1945 konnte Österreich aus Schutt und Asche nur aufgebaut werden, weil die Menschen zusammengehalten haben und jeder und jede ihren Platz gehabt hat. Die neuen Herausforderungen unserer Zeit werden wir nur dann bewältigen, wenn wir diese Solidarität in einer neuen Form an den Tag legen und allen Menschen unabhängig von ihrer Herkunft, ihrer ethnischen oder ihrer religiösen Zugehörigkeit, die gleichen Chancen in Österreich bieten.

Liebe Österreicherinnen und Österreicher,
meine sehr verehrten Damen und Herren.

Dieser 26. Oktober ist ein Tag des Dialogs. Viele Ministerien haben heute einen Tag der Offenen Tür, auch das Bundeskanzleramt. Ich lade Sie herzlich ein, uns zu besuchen, um an diesem Dialog, über die Zukunft Österreichs entweder selbst - direkt am Tag der Offenen Tür - oder über das Podcast und andere Möglichkeiten teilzunehmen. Denn Österreich ist und bleibt ein Land des Dialogs.

 

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