Text zum Video 31.01.2008: Im Gespräch: Bundeskanzler Dr. Alfred Gusenbauer – Jim Rogers
Bundeskanzler Dr. Alfred Gusenbauer im Gespäch mit dem US-Börsenstrategen Jim Rogers.
Bundeskanzler Dr. Alfred Gusenbauer im Gespäch mit dem US-Börsenstrategen Jim Rogers.
[Einleitung. Musik]
[Jim Rogers und Alfred Gusenbauer im Arbeitszimmer des Bundeskanzlers im Bundeskanzleramt Österreich]
Sprecher: Bundeskanzler Dr. Alfred Gusenbauer hat sich mit Jim Rogers, einem der führenden Börsenstrategen der USA, über die aktuellen Entwicklungen auf den internationalen Märkten und die Zunkunftschancen Österreichs unterhalten. Im Interview prophezeit Rogers Wien eine blühende Zukunft als Finanzzentrum und lobt die Wirtschaftspolitik des Bundeskanzlers.
[Das Video zeigt den Buchtitel "Jim Rogers: Investieren in China".]
Interviewer Rudi Fussi: Danke, Mister Rogers, dass Sie zu uns gekommen sind, um mit dem Herrn Bundeskanzler die Wirtschaftslage zu besprechen. Mr. Rogers, Sie sind ja sehr pessimistisch, was die amerikanische Wirtschaft betrifft und Sie sind auch sehr pessimistisch angesichts der rapiden Zinssenkung durch die amerikanische Notenbank. Befindet sich die USA derzeit bereits in einer Rezession und wie wirkt sich das auf Europa und speziell auf Österreich aus?
Jim Rogers: Meiner Ansicht nach befindet sich die USA tatsächlich in einer Rezession – es handelt sich dabei immerhin um die größte Volkswirtschaft der Welt – aber Rezession kann zweifellos auch andere treffen, wenn auch nicht alle, aber einige europäische Unternehmen werden das sehr wohl spüren. Europa ist aber insgesamt in einer viel besseren Lage, denn vor allem habt ihr eine gesündere Währung. Ich halte es für sehr bedenklich, was die USA mit ihrer Währung gemacht hat, dass sie das Geld abgewertet hat. Und ich bin außerordentlich erfreut darüber, dass ihr Kanzler - aufgrund seiner Erfahrung – behauptet, die Europäische Zentralbank müsse alles tun, um ihre Währung zu schützen, um sie gesund zu erhalten. Ich würde mir wünschen, dass die EZB die US-Notenbank leiten würde, denn sie kann es einfach besser. Ich beobachte mit Spannung, was hier passiert und ich bin äußert skeptisch, wenn ich sehe, was da in Amerika vor sich geht.
Rudi Fussi: Herr Bundeskanzler, was soll Europa tun? Sollen wir unser Hauptaugenmerk auf unser Wohlfahrtssystem richten? Welche Strategie sollen wir einschlagen, um das Risiko, das von der Rezession in den USA ausgeht, zu vermeiden?
Alfred Gusenbauer: Ich glaube, wir sollten vorsichtig sein. Das heißt, wir müssen unsere starke Währung aufrecht erhalten, damit die Rohstoffpreise nicht in die Höhe schnellen, denn eine steigende Inflation würde mich doch sehr beunruhigen. Und Sie wissen, dass sich die Menschen in unserem Land deswegen große Sorgen machen. Also müssen wir für die Aufrechterhaltung einer starken Währung sorgen, um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft zu steigern. Daher investieren wir ständig in Forschung und Entwicklung, in Humankapital, also Arbeitskräfte, und in Infrastruktur. Und ich glaube, dass die österreichische Wirtschaft auch deswegen gesünder ist, weil wir angesichts der Wachstumsmärkte der mittel- und osteuropäischen Länder besonders stark exponiert sind, und zwar aufgrund der Tatsache, dass unsere Unternehmen in die Realwirtschaft dieser Staaten effektiv investieren.
Jim Rogers: Lassen Sie mich noch eins dazu sagen: Wien war ja einst das finanzielle Zentrum für den größten Teil Europas, daran knüpft ihr Kanzler jetzt an, er setzt Maßnahmen, um Investoren zu ermutigen, nach Wien zurück zu kehren. Einer der Gründe, warum ich hier bin - ich war schon einmal hier vor mehr als 40 Jahren, es ist also nicht das erste Mal – der Grund ist, dass ich diese Bemühungen, diesen neuen Weg ihres Kanzlers sehr bemerkenswert finde.
Rudi Fussi: Ihnen, Mr. Rogers, verdanken wir es ja, dass damals, vor etwa 20 Jahren, die Wiener Börse wieder einen Aufschwung genommen hat… Kann Österreich wieder eine wirtschaftlich zentrale Rolle in Mitteleuropa spielen? Und was soll Österreich tun, um diese Rolle wieder zu erlangen?
Jim Rogers: Ihr seid ja gerade auf dem besten Weg dazu, finde ich. Es passiert bereits. Ihr seid schon Mitteleuropa, ihr kennt euch dort besser aus, als jeder andere. Ihr habt bereits die entscheidende Position und ihr habt - verglichen mit den USA und mit Großbritannien - ein gesundes Bankwesen. Macht weiter mit dem, was ihr gerade tut: bleibt bei eurer starken Währung, bleibt bei eurem gesunden Bankwesen – und die Leute werden kommen. Und wenn euer Kanzler weiter wirtschaftliche Anreize setzt, dann funktioniert das!
Rudi Fussi: Das klingt gut für Sie, Herr Bundeskanzler, und für die Zukunft Österreichs als Wirtschaftszentrum in Mitteleuropa.
Alfred Gusenbauer: Wir sind ein verlässlicher Partner für die Menschen und für die Investoren, die hierher kommen möchten. Und ich glaube in Europa ist genug Platz, um neben London, das zweifellos der wichtigste Finanzplatz in Europa ist, ein zweites Zentrum zu haben. Was wir anbieten können, ist nicht nur die Lage mitten in Europa – zwei Stunden von Moskau entfernt, 2 Stunden von London entfernt. Wir bieten auch alle Voraussetzungen, die man braucht, sei es das Bankwesen, das Steuersystem, die Finanzdienstleistungen, die Infrastruktur, die Ausbildungsmöglichkeiten, die Schulen, die Lebensqualität, Sicherheit ist überall gewährleistet. Ich glaube daher, dass wir gut positioniert sind, und wir arbeiten hart daran, Wien wieder zu einem wichtigen Finanzplatz zu machen.
Rudi Fussi: Herr Bundeskanzler, nachdem in den Staaten die Zinsen innerhalb weniger Wochen zweimal gesenkt wurden – steht uns eine Baisse (ein Bärenmarkt) bevor, befinden wir uns bereits in einer Baisse (einem Bärenmarkt)? Wie sehen Sie die Zukunft des Wiener Aktienmarktes (der Wiener Börse)?
Alfred Gusenbauer: In Wien geht’s aufwärts. (Wien ist bullisch)
Jim Rogers: Lassen Sie mich noch eines sagen: Derzeit würde ich lieber in Wien investieren als in New York.
Rudi Fussi (Moderator): Thank you Mr Rogers for joining us here with the chancellor. To talk about economics. Mr Rogers, you are very pessimistic on the US economy and you are also pessimistic on the FED reducing rates at record speed and record volumes, is the US in recession now and what is the impact on Europe and on Austria?
Jim Rogers: In my opinion the US is in recession and this has an impact on most of the rest of the world, also on Europe, not all , but many people will be affected , Europe is in a much better position with its currency, I am very critical with what the US has done, debasing its currency, and I am very pleased to hear that the chancellor is on record saying that the European central bank should maintain its status, I wish the European central bank would be running the US central bank because it is doing a much better job .I am happy about what is running here, and I am not optimistic about what is going on in America.
Rudi Fussi: What should Europe do, to maintain our Welfare system, when we face the US recession?
Alfred Gusenbauer: I think wee should be prudent, we should keep our strong currency, in order not to have too high commodity prices, because I am a bit afraid about the inflation increase, and you know that our people are very much concerned about that. We want to keep the strong currency, to increase the competitiveness of the European economy, we invest in research and development and in human resources, and in infrastructure, and the Austrian economy is more sound, because we are strongly exposed to the emerging economies in central and eastern Europe based on real investments by our companies in the real economy there.
Jim Rogers: If I may …Vienna was financial centre for most of Europe once upon a time, and the chancellor wants to bring that back, and the chancellor has the measures to bring investors back to Vienna, I am back here, because of this effort, its not my first time, I have been coming here for forty years, the new effort by the chancellor I find remarkable.
Rudi Fussi: You were the inventor of the upturn of Vienna Stock Market, two decades ago, approximately , can Austria play a central role again in central Europe , what should Austria do to get into this position ?
Jim Rogers: It’s already happening, you were the gateway to central Europe, nobody else is there, you are already in the position, you have a very sound banking system. compared to the US and British system, continue to do what are you are doing maintain a strong currency , maintain a sound banking system, people will come here. And when the chancellor puts up incentives, it will work.
Rudi Fussi: Sounds good for you, Mr Chancellor for the future of Austria as a business centre in central Europe.
Alfred Gusenbauer: We are a reliable partner for people and for the investors who intend to come here, and there is enough space in Europe apart from London which is without doubt the leading financial place in Europe for a second centre in Europe. What we offer is not only being in the centre of Europe, being two hours away from Moscow, 2 hours away from London but we can offer all the requirements you need in banking, in taxation, in financial services, in infrastructure, in education, in school, in living quality, there is security all around , so I think we are well positioned, and we are working hard to re-establish Vienna as a major financial centre.
Rudi Fussi: With the US reducing rates twice within two weeks, do we get a bear market, are we in a bear market, what is the future of Vienna Stock Exchange.
Alfred Gusenbauer: Vienna will go bullish.
Jim Rogers: I´d rather be invested in Vienna than in New York right now.