Text zum Video 18.03.2008: Gedenkjahr 2008
Videobotschaft des Bundeskanzlers Dr. Alfred Gusenbauer zum Gedenkjahr 2008.
Videobotschaft des Bundeskanzlers Dr. Alfred Gusenbauer zum Gedenkjahr 2008.
Meine sehr verehrten Damen und Herren.
Das Jahr 2008 ist für Österreich auch ein Gedenkjahr. Wir gedenken vor allem
des Einmarsches der deutschen Truppen im März 1938. Sicher einer der schlimmsten
Momente unserer gesamten Geschichte, der letztendlich auch eingeleitet hat, den
Massenmord, die Shoa, den Holocaust und den Zweiten Weltkrieg. Wir dürfen aber bei
all diesem Bedenken nicht vergessen, welche Ereignisse diesem Einmarsch der deutschen
Truppen vorangegangen sind.
Österreich war im Jahr 1938 keine Demokratie mehr. Österreich war ein Land der
Massenarbeitslosigkeit, der inneren Zerrüttung. Österreich war geprägt von einem
autoritären Regime, das alle Parteien und Gewerkschaften verboten hatte. Und es
hat sich leider bewahrheitet, dass ein zerrissenes Land nicht im Stande ist, einem
Feind von Außen entgegenzutreten. Wir sollten auch gedenken, all denjenigen, die
trotzdem sehr mutig Österreich und die österreichische Demokratie verteidigt haben
und versucht haben, den Hitler-Faschismus in Österreich noch zu verhindern. Leider
waren ihre Bestrebungen, ihre Aktivitäten und ihr Mut in diesen Tagen von der Geschichte nicht belohnt.
Welche Lehren ziehen wir aus diesen Tagen des Jahres 1938 und vor allem der Zeit
davor? Die erste und wichtigste Lehre ist, eine Gesellschaft hat tolerant gegenüber
den Andersdenkenden zu sein, sei es politisch oder religiös. Es darf nie mehr in
Österreich zu einem solchen Hass kommen wie in der Zwischenkriegszeit. Die zweite
Lehre ist, ein Land muss seinen Menschen Bedingungen bieten, damit jeder seine
Chancen wahrnehmen kann. Ein Land der Massenarbeitslosigkeit, wie in den Dreißigerjahren,
hat eben viele zur Verzweiflung getrieben, hat viele zu willfährigen Opfern dieser
totalitären Ideologie gemacht. Genau deswegen lege ich so großen Wert darauf, dass
wir Vollbeschäftigung in Österreich bekommen und alle Menschen in unserem Land eine
Chance auf eigene Arbeit und eigenes Einkommen haben. Die dritte Lehre ist, es muss
das „niemals wieder“ gelten. Es muss gelten, dass wir uns immer gegen totalitäre
Ideologien, seien sie nationalsozialistische oder sonstige totalitäre Ideologien, zur
Wehr setzten und ihnen keinen Platz in der Gesellschaft geben.
Eines ist seit diesem Zeitpunkt gelungen und darauf sind wir stolz: Österreich
ist eine stabile Demokratie. Österreich ist ein Land mit großer sozialer Ausgeglichenheit
und Österreich ist eingebettet in ein Europa, das die beste Garantie ist, dass der
wechselseitige Hass nicht mehr zu Krieg führen kann, sondern ganz im Gegenteil, dass
heute der Friede in Europa gesichert ist.