Text zum Video 27.04.2008: Erinnerungs- und Gedenkjahr 2008

Videobotschaft des Bundeskanzlers Dr. Alfred Gusenbauer über das Erinnerungs- und Gedenkjahr 2008

Liebe Österreicherinnen und Österreicher, 2008 ist das Gedenk- und Erinnerungsjahr. Zum 90. Mal jährt sich die Errichtung der Republik, zum 70. Mal jährt sich der sogenannte Anschluss.
1945 ist Österreich aus Schutt und Asche entstanden, und es war noch kein wirklicher Staat, denn die Deklaration alleine, das macht noch nicht das Zusammenleben aus. Erst durch den unbändigen Willen der Österreicherinnen und Österreicher, ist aus diesem Staat, der nur auf Papier bestanden hat, die Republik entstanden, die wir heute kennen. Und daher gedenken wir all derer, die so einen enormen Beitrag zu diesem Aufstieg und zu diesem Aufbau Österreichs geleistet haben.
Wir sollten aber diese Gedenktage auch zum Anlass nehmen uns zu entsinnen was uns stark macht, was wichtig ist, welche Lehren wir aus der Geschichte ziehen. Und die wichtigste Lehre aus der Geschichte ist, dass in einem kleinen Land, der Konflikt, sogar der Bürgerkrieg zwischen unterschiedlichen politischen Parteien nichts bringt als Elend und Verwüstung.
Es geht in einem Land wie Österreich um das Zusammenwirken, um den sozialen Ausgleich, um den sozialen Zusammenhalt und um den Glauben der Menschen in unserem Land, dass alle am erwirtschafteten Reichtum teilhaben können. Das ist das, was Österreich stark gemacht hat. Leistung und Solidarität, Zusammenarbeit statt Konflikt. Und in einer konfliktumwobenen Welt, war die österreichische Neutralität von entscheidender Bedeutung. Denn nur so konnten wir zwischen Ost und West unsere zentrale Stellung erarbeiten, und heute als Mitglieder der Europäischen Union, sind wir im Herzen Europas eingebettet. Ein Land, das für seine Bürgerinnen und Bürger entscheidendes leisten kann für ihren Wohlstand, aber auch Entscheidendes leistet für das friedliche Zusammenleben auf unserem Kontinent. Und ich bin zutiefst davon überzeugt, in Europa mit dabei zu sein, ist für Österreich bedeutend besser, als außerhalb zu stehen. Denn dieses Europa hat bewiesen, die Wunden die der Zweite Weltkrieg geschlagen hat, diese Wunden zu heilen. Die Narben, die der kalte Krieg hinterlassen hat, diese Narben aufzulösen. Und jetzt stehen wir vor der großen Herausforderung, auch das zu lösen, was als Erbe des Krieges am Balkan übriggeblieben ist.
Aber wer sonst, wenn nicht das vereinte Europa, sollte das lösen? Und Österreich in seinem Herzen, leistet dazu einen ganz entscheidenden Beitrag. Und daher ist die Wiedererrichtung unserer Republik auch ein Tag an dem wir uns besinnen sollten, dass wir heute nicht mehr alleine alles erreichen können, sondern gemeinsam mit der Europäischen Union, viel mehr dazu beitragen können, dass es Frieden, Stabilität und Wohlstand für unsere Bevölkerung gibt.

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